
Wie man Bücher übersetzt und mehrsprachiges Schreiben meistert
Übersetzung und mehrsprachiges Schreiben sind mehr als nur sprachliche Übungen - sie sind Brücken zum Verständnis, zur Bewahrung kultureller Identität und zur Schaffung von Kunst, die über Grenzen hinweg resoniert. In einem kürzlichen Gespräch zwischen den gefeierten dominikanischen Schriftsteller*innen Cla Nera und Erica Mario enthüllte ihre Erkundung von Übersetzung, Storytelling und kultureller Nuance tiefe Einblicke in die transformative Kraft der Sprache. In diesem Artikel tauchen wir in die Schlüsselthemen ihres Gesprächs ein und bieten ein tiefes Verständnis ihrer Ansätze zu Literatur, Übersetzung und mehrsprachigem Ausdruck.
Die Schnittstelle von Schreiben, Fotografie und Übersetzung
Erica Mario, sowohl Schriftstellerin als auch Fotografin, teilte mit, wie ihre beiden kreativen Wege ihren Ansatz zum Storytelling geprägt haben. Fotografie, erklärte sie, war ihr erstes Tor zum kreativen Ausdruck und diente als Medium für Selbstbetrachtung und Dokumentation der Komplexität des Lebens. Jedoch erkannte Erica bald die Grenzen von Bildern allein bei der Vermittlung der Geschichte ihrer Familie und persönlicher Erzählungen.
Sie beschrieb, wie ihre Erfahrung als alleinerziehende Mutter in ihren frühen Zwanzigern sie dazu inspirierte, Fotografie als Rebellion gegen die Reduktion auf ihre neue Rolle zu nutzen. Während sie ihr Leben dokumentierte, wuchs ihr Interesse daran, Bilder mit Text zu verbinden, angetrieben durch den Wunsch, ihrer visuellen Erzählung Tiefe und Kontext zu verleihen. Dieses Experiment führte Erica schließlich zur Literaturübersetzung - ein Prozess, den sie tief mit Kommunikationsmodi und Storytelling verbunden sieht.
Zentral für ihren Ansatz ist die Idee, dass ihr fragmentierter Hintergrund in verschiedenen kreativen Bereichen ihre Arbeit bereichert. Ob beim Übersetzen oder Schreiben - Ericas vielfältige Erfahrungen in Soziologie, Fotografie und visueller Erzählung ermöglichen es ihr, frische Perspektiven auf Sprache und Charakterentwicklung zu bringen.
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Die emotionale Herausforderung bei der Übersetzung von Cla Neras Werk
Ein Hauptthema des Gesprächs war Ericas Erfahrung bei der Übersetzung von Cla Neras Roman The Grand Paloma Resort. Der Roman, verankert in der Geschichte und Kultur der Dominikanischen Republik, erforderte einen heiklen Balanceakt zwischen der Bewahrung der dominikanischen Identität der Charaktere und der Zugänglichkeit ihrer Stimmen für ein spanischsprachiges Publikum.
Erica betonte die Bedeutung des Verständnisses nicht nur der wörtlichen Bedeutung des Textes, sondern auch der kulturellen und emotionalen Nuancen dahinter. Zum Beispiel beschrieb sie, wie sie die „Dominikanität" der Charaktere je nach Kontext modulieren musste. Wenn die Charaktere mit Gleichaltrigen sprachen, war ihre Sprache reich an Authentizität und Umgangssprache, aber bei Interaktionen mit Resortgästen oder Vorgesetzten spiegelte ihr Ton die polierte Unterwürfigkeit wider, die oft in karibischen Tourismuswirtschaften erwartet wird.
Cla lobte Ericas Übersetzung und betonte, wie sie die poetischen Sensibilitäten, den Humor und die kulturellen Feinheiten einfing, die sie selbst gerne auf Spanisch vermitteln würde. Wie Cla bemerkte, hatte das Aufwachsen in den USA ab dem zehnten Lebensjahr ihre sprachliche Beziehung zum Spanischen geprägt und machte es für sie schwierig, mit der gleichen Tiefe und kulturellen Präzision in ihrer Muttersprache zu schreiben.
Ericas durchdachter Ansatz ehrte nicht nur das Originalwerk, sondern ließ es auch in seiner übersetzten Form glänzen - ein Beweis für die nuancierte Kunstfertigkeit, die in der Literaturübersetzung steckt.
Die Kraft des mehrsprachigen Schreibens
Beide Autoren reflektierten über die einzigartigen Herausforderungen und Chancen, die mit mehrsprachigem Schreiben einhergehen. Cla, die hauptsächlich auf Englisch schreibt, teilte mit, wie die Sprachwahl oft tiefe persönliche und kulturelle Bedeutung trägt. Für sie wurde Englisch zur Sprache der Möglichkeit und des Vorwärtskommens nach ihrer Auswanderung in die Vereinigten Staaten, während Spanisch an ihre Vergangenheit und Familiengeschichte gebunden blieb.
Auch Erica bemerkte, wie die Sprache durch persönliche Erfahrungen geprägt wird. Auf Englisch zu schreiben fühlt sich für sie an, wie eine neue Welt zu bewohnen, während Spanisch sie an ihre Wurzeln ankert. Diese Dualität schafft fruchtbaren Boden für die Erkundung der Komplexität von Identität, Geschichte und kulturellem Erbe.
Ein besonders interessanter Aspekt des Gesprächs war ihr gemeinsames Interesse daran, die Bruchstellen aufzudecken, die der Sprache innewohnen. Beide widersprechen der Idee, dass die Beherrschung einer einzelnen Sprache das ultimative Ziel eines Schriftstellers ist. Stattdessen umarmen sie die Risse, Unvollkommenheiten und Zwischenräume, die Mehrsprachigkeit schafft, und nutzen sie als Werkzeuge zur Bereicherung ihres Storytellings.
Literatur als Werkzeug zur kulturellen Reflexion
Das Gespräch zwischen Cla und Erica befasste sich auch mit der Beziehung zwischen Literatur und breiteren kulturellen Narrativen. Beide Schriftsteller*innen sind tief von der Geschichte der Dominikanischen Republik beeinflusst, besonders von ihrem Erbe rassischer und sprachlicher Spannungen. Clas Roman beispielsweise thematisiert subtil das Petersilienmassaker von 1937, bei dem Sprache zum tödlichen Identitätsmerkmal wurde.
Erica diskutierte, wie dominikanische Frauen insbesondere das Gewicht der Geschichte ihres Landes tragen - ein Erbe von Diktatur, Frauenfeindlichkeit und Widerstandsfähigkeit. Die Übersetzung von The Grand Paloma Resort erforderte von ihr, diese komplexen Dynamiken einzufangen, von der verhärteten Außenseite älterer weiblicher Charaktere, geprägt durch gesellschaftliche Erwartungen, bis hin zum rebellischen Geist jüngerer Frauen, die sich von kulturellen Zwängen befreien möchten.
Ihr Dialog unterstrich, wie Literatur, ob in ihrer ursprünglichen Sprache oder in Übersetzung, als Spiegelung von gesellschaftlichen Wahrheiten dient. Durch das Erzählen von Geschichten mit Wurzeln in der dominikanischen Erfahrung tragen beide Schriftsteller*innen zu einem reichhaltigeren Verständnis ihrer Kultur und ihrer Komplexität bei.
Die Zukunft des mehrsprachigen und Bild-Text-Storytellings
Ericas kreative Reise hat sich erheblich weiterentwickelt. Sie offenbarte, dass während ihre früheren Werke Fotografie und Text kombinierten, sie nun von der Erkundung von Fiktion ohne die Verwendung von Bildern angezogen wird. Inspiriert durch ihre Liebe zur Kürze und Poesie, strebt sie danach, Erzählungen zu schaffen, die starke Emotionen und Ideen mit minimalistischer Eleganz vermitteln.
Cla wiederum äußerte Begeisterung über Ericas Experimente mit Fiktion und bemerkte, wie die Narrativform Schriftsteller*innen ermöglicht, neue Möglichkeiten zu imaginieren und persönliche Erfahrungen zu überschreiten. Beide Autoren betonten die Bedeutung, kreative Experimente zu umarmen, sei es durch Übersetzung, hybrides Storytelling oder den Wechsel zwischen Genres.
Wichtigste Erkenntnisse
- Übersetzung als Kunst: Literaturübersetzung ist nicht nur sprachlich - sie ist ein empathischer und kreativer Prozess, der die Bewahrung kultureller Nuancen und emotionaler Tiefe beinhaltet.
- Mehrsprachiger Ausdruck: Schreiben und Übersetzen in mehreren Sprachen offenbaren die Bruchstellen und Spannungen, die der Sprache innewohnen, und bereichern so das Storytelling.
- Kultureller Kontext ist wichtig: Das Verständnis des historischen und gesellschaftlichen Hintergrunds einer Geschichte ist entscheidend für eine genaue und aussagekräftige Übersetzung.
- Literatur spiegelt Identität wider: Sowohl Cla als auch Erica betonen, wie ihr dominikanisches Erbe ihr Schreiben prägt und Themen wie Widerstandsfähigkeit, Familie und Kulturgeschichte hervorhebt.
- Hybrides Storytelling: Ericas Hintergrund in Fotografie und Text zeigt, wie die Kombination von Medien geschichtete Erzählungen schaffen kann, obwohl Schriftsteller*innen offen dafür bleiben sollten, ihr Handwerk weiterzuentwickeln.
- Sprache als Möglichkeit: Für viele mehrsprachige Schriftsteller*innen spiegelt die Sprachwahl mehr als nur Praktikabilität wider; sie bedeutet Identität, Zugehörigkeit und Aspiration.
- Frauen und Geschichte: Dominikanische Frauen, geprägt durch eine Geschichte von Unterdrückung und Widerstandsfähigkeit, stehen im Zentrum der Werke sowohl von Cla als auch von Erica und bieten kraftvolle Einblicke in Geschlechts- und Kulturdynamiken.
Fazit
Das Gespräch zwischen Cla Nera und Erica Mario offenbart die tiefgreifende Auswirkung von mehrsprachigem Schreiben und Übersetzung auf das Storytelling. Beide Autoren exemplifizieren, wie Literatur ein Werkzeug zur Erkundung von Identität, zur Bewahrung des Kulturerbes und zur Navigation durch die Bruchstellen der Sprache sein kann. Ihre Arbeit bereichert nicht nur unser Verständnis der dominikanischen Erfahrung, sondern lädt uns auch ein, tiefer über die transformative Kraft von Worten nachzudenken.
Ob durch Übersetzung, Fiktion oder hybride Formen - Cla und Erica erinnern uns an die grenzenlosen Möglichkeiten des Storytellings beim Verbinden von Menschen über Sprachen und Kulturen hinweg. Für alle, die leidenschaftlich die Kunstform der Literatur und die Nuancen der Sprache lieben, sind ihre Erkenntnisse sowohl inspirierend als auch zutiefst zum Nachdenken anregend.
Quelle: „Episode 62: Multilingual Writing" - watchung booksellers, YouTube, 3. Feb. 2026 - https://www.youtube.com/watch?v=-lLzXn3bq2k